Wie lange müssen Lebensmittel dörren?

Und jetzt kommt wahrscheinlich die Frage, die sich jeder Anfänger stellt:

„Wie lange muss ich meine Lebensmittel eigentlich dörren?“

Die Antwort lautet:

Es kommt darauf an.

Nun ja … ich weiß, das ist wahrscheinlich nicht die Antwort, die du hören wolltest.

Aber tatsächlich beeinflussen gleich mehrere Faktoren die Dörrzeit.

Diese Faktoren bestimmen die Dörrdauer

Die Dicke der Scheiben

Je dünner du Obst oder Gemüse schneidest, desto schneller trocknet es.

Ein Apfelring mit 3 Millimetern Dicke benötigt deutlich weniger Zeit als eine 8 Millimeter dicke Scheibe.

Mein Tipp:

Versuche möglichst gleichmäßig zu schneiden. So werden alle Stücke gleichzeitig fertig.


Der Wassergehalt

Je mehr Wasser ein Lebensmittel enthält, desto länger dauert das Dörren.

Tomaten bestehen beispielsweise zu über 90 % aus Wasser und brauchen wesentlich länger als Kräuter.


Die Temperatur

Eine höhere Temperatur verkürzt zwar die Dörrzeit, ist aber nicht immer sinnvoll.

Gerade Kräuter verlieren bei zu großer Hitze viele ihrer wertvollen Inhaltsstoffe und ihr feines Aroma.

Glaub mir; Geduld zahlt sich hier wirklich aus.


Die Luftfeuchtigkeit

Auch das Wetter spielt eine Rolle.

An feuchten Regentagen dauert das Dörren oft etwas länger als bei trockener Luft.


Der Dörrautomat

Nicht jedes Gerät arbeitet gleich effizient.

Geräte mit einer guten Luftzirkulation trocknen die Lebensmittel meist gleichmäßiger und schneller.


Übersichtstabelle: Obst richtig dörren

Obst Temperatur Dauer
Äpfel 55 °C 6–10 Stunden
Birnen 55 °C 8–12 Stunden
Erdbeeren 55 °C 8–12 Stunden
Bananen 55 °C 8–10 Stunden
Zwetschken 60 °C 10–16 Stunden

Mein Tipp

Obst sollte nach dem Dörren meist noch leicht biegsam sein.

Ist es komplett hart, wurde es häufig etwas zu lange getrocknet.


Übersichtstabelle: Gemüse richtig dörren

Gemüse Temperatur Dauer
Tomaten 60 °C 10–18 Stunden
Paprika 55 °C 8–12 Stunden
Karotten 55 °C 6–10 Stunden
Zucchini 55 °C 6–10 Stunden
Pilze 50 °C 5–8 Stunden

Mein Tipp

Gemüse darf ruhig vollständig trocken werden.

Vor allem für Suppen oder Eintöpfe eignet sich komplett getrocknetes Gemüse hervorragend (kleiner Tipp am Rande – ich liebe es, daraus Pulver herzustellen. Wofür? Das verrate ich dir in einem anderen Blogartikel 😉


Übersichtstabelle: Kräuter richtig dörren

Hier gilt:

Weniger Hitze ist mehr.

Zu hohe Temperaturen lassen viele ätherische Öle verdampfen.

Das wäre wirklich schade.

Kräuter Temperatur Dauer
Kamille 35–40 °C 5-8 Stunden
Pfefferminze 35–40 °C 4-6 Stunden
Zitronenmelisse 35–40 °C 4-6 Stunden
Salbei 35–40 °C 6-8 Stunden
Thymian 35–40 °C 4-6 Stunden

Gerade Kräuter solltest du nach dem Dörren möglichst lichtgeschützt aufbewahren.

So bleiben Aroma und Farbe lange erhalten.

 

Diese Werte dienen als Orientierung.

Je nach Gerät und Dicke der Lebensmittel kann die tatsächliche Dörrzeit etwas variieren.


Woher weiß ich, dass meine Lebensmittel fertig sind?

Zum Glück gibt es dazu einige Test, die ihr machen könnt:

Der Biegetest

Apfelringe oder Birnen dürfen sich noch leicht biegen.

Sie sollten jedoch kein Wasser mehr abgeben.


Der Bruchtest

Gemüse oder Kräuter brechen meist sauber auseinander.

Biegen sie sich noch stark oder fühlen sich feucht an, benötigen sie noch etwas Zeit.


Der Fingertest

Drücke das Lebensmittel leicht zwischen zwei Finger.

Spürst du noch Feuchtigkeit, solltest du weiter dörren.


Der Abkühltest

Ganz wichtig:

Beurteile Lebensmittel niemals direkt aus dem Dörrautomaten.

Lass sie zuerst vollständig abkühlen.

Erst danach erkennst du den tatsächlichen Trocknungsgrad.


Dörren wie früher – Ganz ohne Strom

Getrocknete Kräuter in unserem Gartenhaus

Heute genügt ein Knopfdruck.

Früher sah das ganz anders aus.

Unsere Großeltern mussten kreativ werden.

Und das Erstaunliche?

Viele dieser Methoden funktionieren auch heute noch.


In der Sonne trocknen

Gerade in südlichen Ländern wird Obst bis heute an der Sonne getrocknet.

Besonders geeignet sind:

  • Feigen
  • Tomaten
  • Weintrauben
  • Kräuter
  • Chilischoten

Voraussetzung sind mehrere warme, trockene Tage.


Auf dem Dachboden

Viele Bauernhäuser besaßen gut belüftete Dachböden.

Dort wurden Kräuter oder Apfelringe auf Holzrahmen ausgelegt.

Die warme Luft stieg nach oben und trocknete die Lebensmittel langsam.

Ich habe ein Gartenhäuschen mit einem kleinen Dachboden.
Da breite ich meine Kräuter zum Trocknen aus, oder hänge sie an heißen Tagen büschelweise auf.
Das funktioniert ganz prima.


Am Kachelofen

Im Winter wurde häufig die Restwärme des Kachelofens genutzt.

Nicht direkt auf dem Ofen, sondern in etwas Abstand konnten Kräuter und Obst schonend trocknen.


Im Holzbackofen

Nach dem Brotbacken war der Ofen nicht mehr glühend heiß.

Genau dann begann das Dörren.

Die langsam sinkende Temperatur eignete sich hervorragend.


Auf Leinentüchern

Vor allem Kräuter wurden auf sauberen Tüchern oder Holzgittern ausgebreitet.

Mit ausreichend Luftzirkulation trockneten sie ganz ohne technische Hilfsmittel.


Alte Methoden oder moderner Dörrautomat?

Beides funktioniert.

Die Unterschiede liegen vor allem in der Zuverlässigkeit.

Früher Heute
wetterabhängig unabhängig vom Wetter
längere Dauer konstante Ergebnisse
kaum kontrollierbar genaue Temperatureinstellung
unterschiedlich trocken gleichmäßiges Ergebnis
kostenlos geringer Stromverbrauch

Für Selbstversorger mit größeren Mengen ist ein Dörrautomat meist die deutlich komfortablere Lösung.


Die häufigsten Fehler beim Dörren

Jeder macht am Anfang Fehler.

Viele lassen sich jedoch ganz einfach vermeiden.

Zu hohe Temperaturen

Mehr Hitze bedeutet nicht automatisch bessere Ergebnisse.

Im Gegenteil.

Außen trocknet das Lebensmittel zu schnell, während das Innere noch feucht bleibt.


Zu dicke Scheiben

Dicke Stücke brauchen deutlich länger.

Schneide Obst und Gemüse möglichst gleichmäßig.


Zu dicht aufgelegt

Die warme Luft muss überall hinkommen.

Liegen die Lebensmittel übereinander, trocknen sie ungleichmäßig.


Zu früh eingelagert

Gedörrte Lebensmittel müssen vollständig auskühlen.

Sonst bildet sich Kondenswasser im Glas.

Und Feuchtigkeit ist der größte Feind einer langen Haltbarkeit.


Falsch gelagert

Vorräte auf einen Blick


Licht, Wärme und Feuchtigkeit verkürzen die Lagerdauer erheblich.

Ideal sind:

  • Schraubgläser
  • Bügelgläser
  • Vakuumbeutel
  • kühle Speisekammer
  • dunkler Vorratsschrank


Mein persönlicher Tipp

Ich beschrifte jedes Glas sofort nach dem Befüllen.

Darauf stehen:

  • Inhalt
  • Dörrdatum
  • eventuell die Temperatur

So behalte ich auch Monate später noch den Überblick.

Und glaub mir – spätestens wenn dein Vorratsschrank voller selbst gedörrter Lebensmittel steht, wirst du froh darüber sein.

Im nächsten Teil zeige ich dir unter anderem, wie du Kamille richtig trocknest, warum sie in keinem Selbstversorger-Haushalt fehlen sollte, wie du sie später verwenden kannst, wie du gedörrte Lebensmittel optimal lagerst und beantworte die häufigsten Fragen rund ums Dörren.

Bis dann… ich freu mich…

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